Rohbauwand mit Fensterausschnitt und aufgebrachten gelben Platten zur Wärmedämmung, davor Aluprofile
Foto: Alina Kuptsova from Pixabay
  • 14.10.2026

EU-Prüfungen rücken Wärmedämmstoffe in den Fokus

Effiziente und zuverlässige Dämmstoffe sind unerlässlich, um die Energieeffizienz der Gebäude in Europa zu steigern und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen sowie die Stromkosten zu senken. Laborprüfungen an sechs Arten von Dämmstoffen, deren Proben in 14 Ländern entnommen wurden, ergaben, dass ein Drittel der Proben die angegebenen Leistungsmerkmale nicht erfüllte.


Die Ergebnisse dieser EU-finanzierten Kampagne unterstreichen die Bedeutung der Marktüberwachung und die Notwendigkeit, dass Endverbrauchende die Leistungsangaben überprüfen, bevor sie sich für Dämmprodukte entscheiden. Das Projekt wurde unter Beteiligung von Marktüberwachungsbehörden aus 14 Ländern durchgeführt.

Insgesamt wurden 106 Proben aus sechs gängigen Dämmstoffen ausgewählt: expandiertes (EPS) und extrudiertes Polystyrol (XPS), Mineralwolle, Schaumglas, Holzwolle und Holzfasern. Die Proben wurden in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Malta, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal und Schweden erworben, und zwar entweder im stationären Handel, online oder direkt bei den Herstellern.


Wie lauteten die Ergebnisse?

Bei den Prüfungen wurde untersucht, inwieweit die Materialien den Wärmeverlust verlangsamen, ob ihre Dicke den angegebenen Spezifikationen entsprach und wie sie auf Feuer reagieren.

Beim Wärmedurchlasswiderstand erfüllten 31 von 97 geprüften Proben (32%) die Anforderungen nicht.

Beim Brandverhalten entsprachen 11 der 81 geprüften Proben (14%) nicht der angegebenen Klasse.

Zudem wurden Kennzeichnungen und Dokumentation überprüft. Insgesamt erfüllten 68 Proben (64%) die Anforderungen nicht, was hauptsächlich auf eine unvollständige oder fehlende Leistungserklärung bzw. CE-Kennzeichnung zurückzuführen war.


Prüfungen des Wärmedurchlasswiderstands

Im Rahmen von Prüfungen des Wärmedurchlasswiderstands wurde untersucht, ob Dämmstoffe tatsächlich das von ihren Herstellern angegebene Maß an Wärmespeicherung bieten. Bei diesen Prüfungen wurden die Wärmeleitfähigkeit und die Dicke der Produkte gemessen, da beide Faktoren Einfluss darauf haben, wie gut ein Gebäude im Winter warm und im Sommer kühl bleibt.

In den meisten Fällen wich die gemessene Wärmedämmung von den vom Hersteller angegebenen Werten ab, was bedeutet, dass einige Produkte möglicherweise nicht das von den Käufern erwartete Dämmniveau bieten. Eine geringere Anzahl von Produkten erfüllte zudem nicht die Anforderungen an die Dicke.

Zwar entsprachen viele Produkte den Werbeversprechen, doch unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung genauer Leistungsangaben, da sich Endnutzende bei der Auswahl von Materialien zur Verbesserung der Energieeffizienz eines Gebäudes auf diese Informationen verlassen.


Prüfungen des Brandverhaltens

 

Ein weiterer Grund zur Besorgnis war die unerwartet hohe Anzahl an Mängeln bei Produkten, die hinsichtlich ihres Brandverhaltens als Klasse E eingestuft wurden: Acht von 52 Produkten (15%) dieser Gruppe erfüllten die angegebene Brandschutzklasse nicht.

Bei den sechs Produkten, die als Klassen B–D eingestuft wurden, wurden keine Mängel festgestellt. Beide Produkte, die als Klasse A2 eingestuft wurden, haben die entsprechende Prüfung des Brandverhaltens nicht bestanden. Nur eines von 21 Produkten der Klasse A1 erfüllte die Anforderungen nicht.

Im EU-Brandverhaltenssystem gelten Produkte der Klasse A1 als nicht brennbar und tragen nicht wesentlich zur Ausbreitung eines Brandes bei. Produkte der Klasse A2 gelten ebenfalls als nicht brennbar, können jedoch unter bestimmten Bedingungen in sehr begrenztem Umfang zur Brandausbreitung beitragen. Die Klassen B–D umfassen brennbare Produkte, deren Beitrag zur Brandentstehung zunimmt: Die Klasse B weist einen sehr geringen Beitrag auf, die Klasse C einen begrenzten Beitrag und die Klasse D einen mittleren Beitrag.

Klasse E bedeutet, dass ein Produkt brennbar ist, jedoch eine grundlegende Prüfung bestehen sollte, bei der nachgewiesen wird, dass sich eine kleine Flamme innerhalb eines festgelegten Zeitraums nicht zu weit über das Produkt ausbreitet. Die Mängel deuten darauf hin, dass sich manche Produkte entzünden könnten oder dass sich Flammen schneller ausbreiten könnten, als es ihre angegebene Klassifizierung vermuten lässt. Das Ausmaß des Risikos hängt davon ab, wo und wie die Dämmung angebracht wird. Eine falsche Brandschutzklasse könnte dazu führen, dass Verbrauchende ein Produkt wählen, das nicht das erwartete Schutzniveau bietet.


Ergriffene Maßnahmen

Die MÜB stuften zwei Proben als »hohes Risiko« und vier als »ernstes Risiko« ein. Diese Ergebnisse betrafen vor allem das Brandverhalten, das nicht der angegebenen Klasse entsprach.

Die MÜB verhängten ein Verkaufsverbot für ein Produkt und nahmen sieben Produkte vom Markt. Zahlreiche Wirtschaftsbeteiligte erklärten sich bereit, Konformitätsmängel zu beheben. Die teilnehmenden MÜB haben die Ergebnisse an andere Mitgliedstaaten weitergegeben.


Was können Verbrauchende tun?

Die Prüfkampagne ergab, dass viele Dämmstoffe eine oder mehrere technische Anforderungen oder Dokumentationsanforderungen nicht erfüllten. Verbrauchende sollten auf Produkte achten, die mit der CE-Kennzeichnung versehen sind und denen eine Leistungserklärung beiliegt, die Angaben zu wesentlichen Eigenschaften wie Wärmedurchlasswiderstand und Brandverhalten enthält.

Vor dem Kauf sollten sie sich vergewissern, dass das Produkt für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet ist und den nationalen Bauvorschriften entspricht. Ebenso wichtig ist es, die Installationsanleitung des Herstellers zu befolgen, da selbst ein konformes Produkt bei unsachgemäßer Installation möglicherweise nicht die erwarteten Energieeinsparungen und Sicherheitsvorteile bietet.

Das Safety Gate der Europäischen Kommission, ein Schnellwarnsystem, über das die MÜB Einzelheiten zu gefährlichen Non-Food-Produkten veröffentlichen, ist eine gute Anlaufstelle.


Was sollten Wirtschaftsbeteiligte tun?

Wirtschaftsbeteiligte müssen sowohl der Produktleistung als auch den Compliance-Anforderungen größere Aufmerksamkeit widmen. Die angegebenen Werte zum Wärmedurchlasswiderstand müssen die Produktleistung genau widerspiegeln und die gesamte technische Dokumentation, die CE-Kennzeichnungen sowie die Leistungserklärungen müssen vollständig und auf dem neuesten Stand sein.

Strenge Produktionskontrollen im Werk, regelmäßige Prüfungen und wirksame Rückverfolgbarkeitssysteme sind unerlässlich, insbesondere wenn Änderungen an Rohstoffen, Lieferanten oder Produktionsprozessen vorgenommen werden.

Wirtschaftsbeteiligte sollten zudem klare Installationsanleitungen bereitstellen und alle erforderlichen Informationen in der/den Sprache/n des Verkaufslandes zur Verfügung stellen, damit Endverbrauchende die Dämmstoffe sicher und wirksam verwenden können.


EU-weite Prüfung

Die Prüfung fand im Rahmen der Gemeinsamen Maßnahmen zur Konformität von Produkten 2025 in EU- und EFTA-Ländern statt. Die Kampagne unterstützt MÜB dabei, Prüfungen zu koordinieren, Ergebnisse auszutauschen und Verbrauchende sowie seriöse Unternehmen im gesamten Binnenmarkt zu schützen.

»Marktüberwachungskampagnen tragen zum Verbraucherschutz bei und stellen sicher, dass seriöse Unternehmen nicht von Wettbewerbern unterboten werden, deren Produkte die angegebenen Leistungsmerkmale nicht erfüllen«, berichtet Vanessa Capurso, Referentin bei der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU der Europäischen Kommission (GD GROW).

Weiterführende Informationen erhalten Sie per E-Mail.

 

Europäische Kommission
Rue de la Loi / Wetstraat 200
1049 Bruxelles/Brussel
Belgien
Internet: www.commission.europa.eu


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