Reaktive Brandschutzsysteme sind seit Jahrzehnten ein anerkanntes Mittel, um tragende Stahlbauteile im Brandfall zu schützen und erforderliche Feuerwiderstandsdauern sicherzustellen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen aber, dass es bei Planung, Ausschreibung und Ausführung häufiger zu Unsicherheiten kommt.
Vor diesem Hintergrund hat der Arbeitsausschuss Brandschutz des Deutschen Stahlbau-Verbandes (DSTV) Ende 2024 eine Ad-hoc-Gruppe eingesetzt. Der aktuelle Stand der Technik wurde hier strukturiert zusammengeführt und praxisnah aufbereitet. Das Ergebnis dieser Arbeit ist der Leitfaden »Anwendung reaktiver Brandschutzsysteme im Stahlbau – Leitfaden des Arbeitsausschusses Brandschutz«, der im Januar 2026 in erster Auflage erschienen ist.
Reaktiver Brandschutz im Stahlbau
Reaktive Brandschutzsysteme (RBS), auch intumeszierende Beschichtungen (Intumescent Coatings, IC) genannt, erhöhen den Feuerwiderstand von Stahlkonstruktionen. Im Brandfall reagieren die Beschichtungen infolge erhöhter Temperaturen chemisch und schäumen auf. Dabei entsteht eine wärmedämmende Schutzschicht, die das Stahlbauteil umhüllt und die Erwärmung des Stahls verzögert.
Durch diesen Prozess der Intumeszenz wird der temperaturbedingte Tragfähigkeitsverlust des Stahlbauteils zeitlich verzögert oder aufgehalten. Auf diese Weise können die geforderten Feuerwiderstandsdauern erreicht werden, ohne die Sichtbarkeit der Stahlkonstruktion einzuschränken. Die erreichbare Feuerwiderstandsdauer hängt dabei von mehreren Parametern ab, insbesondere von
- der Geometrie und Massigkeit des Stahlbauteils
- der einwirkenden Brandbeanspruchung und
- der applizierten Trockenschichtdicke (TSD) des verwendeten RBS
Umfassende Informationen
Auf 19 Seiten informiert der Leitfaden u.a. über Zulassungs- und Dauerhaftigkeitsaspekte reaktiver Brandschutzsysteme. Zudem wird deren Anwendung auf typische Stahlbauteile wie Träger, Stützen, Zugglieder und Fachwerke erläutert. Sonderfälle und Anschlüsse werden ebenfalls thematisiert. Alle Angaben sind ausführlich referenziert und mit dem umfangreichen Literaturverzeichnis nachverfolgbar. Ergänzt wird die Broschüre durch ein Heißbemessungsbeispiel sowie Hinweise zur Qualitätssicherung.
Mit dem neuen Leitfaden steht allen am Stahlbau Beteiligten eine praxisnahe Orientierungshilfe zur Verfügung. Der Leitfaden kann kostenlos heruntergeladen werden.
Über bauforumstahl e.V. (BFS)
der BFS e.V. ist der Spitzenverband für das Bauen mit Stahl in Deutschland. Gemeinsam mit dem Deutschen Stahlbau-Verband DSTV vertritt er die Anliegen seiner Mitglieder gegenüber Politik, Fachwelt, Medien und Öffentlichkeit, bietet Wissenstransfer und engagiert sich in Forschung und Normung. Übergeordnetes Ziel ist es, die Stahlbauweise unter Berücksichtigung ganzheitlicher Aspekte wie Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Flexibilität und Nachhaltigkeit zu fördern. Zu den rund 350 Mitgliedern zählen alle namhaften deutschen Stahlbauunternehmen, Vorlieferanten und Folgegewerke, Architektur- und Ingenieurbüros sowie Hochschulen und Universitäten.

