BauSV 5/2026


Bauschäden

Abb. 1: Dokumentation des Schadensbilds und der Lage der später entnommenen Probe 1 [Quelle: S. Lange/M. Doedt]

Stefan Lange, Martin Doedt


Wenn Hagel nicht der vermeintliche Übeltäter ist

Teil 2: Von der Ortsbesichtigung zur labortechnischen Ursachenanalyse an Polycarbonat-Stegkammerplatten


Beschädigungen an Polycarbonat-Stegkammerplatten werden in der Praxis häufig vorschnell einem Hagelereignis zugeschrieben. Eine belastbare Ursachenbewertung erfordert jedoch ein systematisches Vorgehen: vom strukturierten Ortstermin über eine sachgerechte Probenahme bis zur labortechnischen Untersuchung. Mikroskopische Analysen und GPC-Messungen können Bruchmechanismen und Degradationszustände präzisieren und Alternativursachen wie UV-Alterung, Zwängungsspannungen oder Montagefehler belegen oder ausschließen. Ein Hagelereignis allein ist kein Ursachennachweis.


Einleitung

Bereits im Heft 1/2024 wurde in dieser Zeitschrift anhand praktischer Schadensfälle aufgezeigt, dass Beschädigungen an Stegkammerplatten nach Hagelereignissen nicht zwangsläufig auf eine unmittelbare Hagelbeaufschlagung zurückzuführen sein müssen. Die damalige Betrachtung verdeutlichte, dass vergleichbare Schadensbilder auch durch Materialalterung, thermische Beanspruchungen, Montagefehler oder andere Einwirkungen entstehen können. Die fachliche Diskussion zu diesem Themenkomplex hält bis heute an.

Insbesondere bei Polycarbonat-Stegkammerplatten werden kreisrunde Lochbildungen oder lokale Durchbrüche häufig als eindeutiger Nachweis eines Hagelschadens interpretiert. Nicht selten erfolgt bereits im Zuge der Schadensmeldung eine entsprechende Ursachenzuordnung durch Gebäudeeigentümer, ausführende Unternehmen oder andere Beteiligte. Aus sachverständiger Sicht stellt sich jedoch regelmäßig die Frage, ob das sichtbare Schadensbild tatsächlich Rückschlüsse auf die Schadensursache zulässt oder ob weitere Einflussfaktoren berücksichtigt werden müssen.

Die praktische Erfahrung aus zahlreichen Begutachtungen an Industrie-, Gewerbe- und Sonderbauten zeigt, dass eine belastbare Ursachenbewertung selten allein auf Grundlage einer Sichtprüfung möglich ist. Vielmehr erfordert die Beurteilung ein systematisches Vorgehen, bei dem sowohl die örtlichen Gegebenheiten als auch die Eigenschaften des verwendeten Werkstoffs, die Beanspruchungsgeschichte sowie mögliche Alternativursachen berücksichtigt werden.

Der vorliegende Beitrag knüpft an die Erkenntnisse der früheren Veröffentlichung an und erweitert diese um weiterführende Untersuchungsmethoden. Im Mittelpunkt stehen dabei die systematische Erfassung von Indizien im Rahmen des Ortstermins sowie die anschließende labortechnische Untersuchung ausgewählter Proben. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie aus einzelnen Beobachtungen vor Ort, materialtechnischen Befunden und wissenschaftlichen Untersuchungen eine nachvollziehbare und belastbare Ursachenbewertung entwickelt werden kann.


Grenzen der visuellen Schadensaufnahme

Bei der Begutachtung von Stegkammerplatten beginnt die Ursachenanalyse regelmäßig mit einer visuellen Schadensaufnahme. Bereits in diesem frühen Stadium werden oftmals erste Einschätzungen zur Schadensursache getroffen. Gerade bei kreisrunden Lochbildungen oder lokalen Durchschlägen liegt die Vermutung nahe, dass diese durch ein vorausgegangenes Hagelereignis verursacht wurden. Die Erfahrung aus der Sachverständigenpraxis zeigt jedoch, dass eine solche Schlussfolgerung häufig zu kurz greift.

Zwar können hagelbedingte Einwirkungen charakteristische Beschädigungen hervorrufen, vergleichbare Schadensbilder entstehen jedoch ebenso durch langjährige UV-Belastung, thermische Zwängungen, materialbedingte Alterungsprozesse, Montagefehler oder mechanische Beanspruchungen während der Nutzungsphase. Hinzu kommt, dass mehrere Einflussgrößen gleichzeitig wirken können und sich deren Auswirkungen im Schadensbild überlagern.


Den ganzen Beitrag können Sie in der Oktober-Ausgabe von »Bausachverständige« lesen.
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