Foto: Gotische Backsteinkirche mit grünem Spitzdach und Turm im Zentrum, hohen, spitzbogigen Fenstern und Verzierungen, umgeben von Bäumen und Grünflächen. Im Vordergrund ein Teich.
Das Doberaner Münster wurde am 23. April 2026 von der Bundesingenieurkammer als »Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst« 2026 ausgezeichnet. Die während des Münsterbaus entwickelten Bauweisen prägten den Kirchenbau im Ostseeraum über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg. (© Martin Heider)
  • 18.05.2026

Doberaner Münster als »Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst« 2026 ausgezeichnet

Bundesingenieurkammer würdigt Pionierleistung mittelalterlicher Bautechnik

Die Bundesingenieurkammer hat das Doberaner Münster als »Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland« 2026 ausgezeichnet. Mit der Ehrung wird ein Bauwerk gewürdigt, das in besonderer Weise für die Entwicklung innovativer Konstruktionen im mittelalterlichen Ingenieurbau steht.

Das im späten 13. Jahrhundert errichtete Münster zählt zu den herausragenden Beispielen der Backsteingotik im Ostseeraum. Mit einer Länge von 81 m, einer Breite von 40 m und einer Raumhöhe von 26 m besitzt das Bauwerk die Maße einer Kathedrale. Es dokumentiert die erfolgreiche Übertragung der im Natursteinbau entwickelten gotischen Konstruktionsprinzipien auf das Material des Ziegels. Dabei entstanden eigenständige Lösungen, die den innovativen Charakter des Münsters bis heute ablesbar machen.

Dr. Christian Kayser, Autor der begleitenden Publikation, beschreibt das Bauwerk als »Pionierbau«. Es steht exemplarisch für die baukulturelle Leistung einer Epoche und einer Region. Die in diesem Zusammenhang entwickelten Bauweisen prägten den Kirchenbau im Ostseeraum über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg.

In der filmischen Dokumentation zur Auszeichnung betont Martin Heider, Münsterkustos: »Dadurch, dass ich sehr viel in den historischen Akten forsche, ist mir bewusst, in welch schlechtem Zustand das Münster in manchen Jahrhunderten war. Heute dazu beitragen zu können, dass diese vor über 700 Jahren erbaute Kirche und deren reiche Ausstattung erhalten bleiben kann, ist eine sehr schöne Aufgabe. Wir sind dankbar über die Fördergelder und Spenden, die dies ermöglichen.«

Christian Pegel, Minister für Inners und Bau des Landes Mecklenburg-Vorpommern: »Bauwerke prägen Menschen und Regionen. Das Doberaner Münster unterstreicht dies eindrücklich. Die bautechnische Bedeutung des Münsters ist dagegen vielen Menschen sicherlich nicht bewusst. Deshalb freut mich diese Auszeichnung ganz besonders.«

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer: »Das Ingenieurwesen ist eine traditionsreiche Profession. Schon immer haben Ingenieurinnen und Ingenieure anspruchsvolle Aufgaben gelöst. Die Ingenieurbauwerke in der Reihe der Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland sind allesamt technische Meisterleistungen und zeugen noch heute von der kreativen Vielfalt und Innovationkraft dieses Berufes.

Dr.-Ing. Gesa Haroske, Präsidentin der Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern: »Die Pflege der Baukultur ist uns als Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern ein wichtiges Anliegen. Die Auszeichnung macht deutlich: Wer die Zukunft gestalten will, muss auch die Geschichte kennen. Uns freut, dass die Würdigung des Doberaner Münsters durch die Bundesingenieurkammer noch mehr Aufmerksamkeit auf dieses technische Denkmal in Mecklenburg lenken wird.«

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch die Publikation vorgestellt, die Baugeschichte, Konstruktion und ingenieurtechnische Bedeutung des Münsters umfassend darstellt und zentrale Aspekte eines mittelalterlichen Großbaus nachvollziehbar macht.


Über die Auszeichnung

Die Bundesingenieurkammer ehrt seit 2007 historisch bedeutende Ingenieurbauwerke mit dem Titel »Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland«. Voraussetzung ist, dass sich die Bauwerke in Deutschland befinden und älter als 50 Jahre sind. Die Auszeichnungsreihe wird von den Ingenieurkammern der Länder und dem gemeinnützigen Förderverein »Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland« unterstützt. Webseite: Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst

 

Foto: Innenraum einer gotischen Kathedrale mit roten Ziegelwänden und vertikalen weißen Streifen. Spitzbogiges Gewölbe, unterstützt von filigranen Rippenbögen. Große Fenster im Hintergrund, darunter der geschmückte Altar.
Doberaner Münster innen, Blick nach Osten (© Martin Heider)

 

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