Bild, technische Detailaufnahme eines Holzbauteils: Rechteckiger Plattenquerschnitt aus mehrfach verleimten Schichten Sperrholz, horizontal geschichtet. In der vorderen Kante ist mittig ein massives Kantholz bündig eingelassen, umgeben von den Sperrholzlagen.
Die hochfeuerhemmende Trockenbauwand aus Holz verfügt über eine Feuerwiderstandsdauer von mindestens 60 Minuten und eine nicht brennbare Sperrholzplatte als Beplankung. (© Fraunhofer WKI I Manuela Lingnau)
  • 17.06.2026

Hochfeuerhemmende Trockenbauwände aus Holz für Gebäude mit hohen Brandschutzanforderungen

Forschende des Fraunhofer WKI haben gemeinsam mit Industriepartnern eine hochfeuerhemmende Trockenbauwand aus Holz mit einer Feuerwiderstandsdauer von mindestens 60 Minuten entwickelt. Mit einer nicht brennbaren Sperrholzplatte als Beplankung können erhöhte Brandschutzanforderungen in Gebäuden erfüllt werden. Mit diesem Projekt erweitern die Forschenden die Einsatzmöglichkeiten von Holz in Gebäuden – insbesondere in den höheren Gebäudeklassen. Durch die Nutzung heimischer Holzarten können Transportwege kurz gehalten werden und neue Absatzmärkte für die deutsche Forstwirtschaft entstehen.


Im Vergleich zu massiven Mauerwerks- oder Betonwänden ermöglichen Trockenbauwände eine flexible, schnelle und ressourcenschonende Raumaufteilung. Konventionelle Systeme basieren jedoch überwiegend auf endlichen, energieintensiven Rohstoffen wie Stahl, Gips und Zement. Dadurch entstehen hohe Transport- und CO2-Emissionen.

Trockenbauwände in Holzständerbauweise aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz sind eine nachhaltige Alternative, insbesondere bei Verwendung regional verfügbarer Holzarten. Durch den Einsatz nicht brennbarer Sperrholzplatten als Beplankung können die Anforderungen an »hochfeuerhemmende« Bauteile gemäß Musterbauordnung 2002 erfüllt werden. Damit sind nicht brennbare Sperrholzplatten als Beplankung ein Ersatz für herkömmliche Gipskarton- oder Faserzementplatten.

»Für das Projekt wurden Sperrholzplatten so modifiziert, dass sie nach deutscher Norm DIN 4102-1 als nicht brennbarer Baustoff für den Hochbau eingesetzt werden können. Zwar war ursprünglich eine Einstufung nach DIN EN 13501-1 in die Klasse A2 geplant, dies erwies sich jedoch als nicht umsetzbar. Mit Projektabschluss ist es nun möglich, Trockenbaukonstruktionen in Bereichen mit erhöhten Brandschutzanforderungen statt mit Gipsfaser- oder Gipskartonplatten auch mit speziell entwickelten Sperrholzplatten zu realisieren«, berichtet Dr. Torsten Kolb, Projektleiter am Fraunhofer WKI.

Die Forschungspartner erstellten zunächst einen Anforderungskatalog für eine nicht brennbare Sperrholzplatte sowie einen dazu passenden, hochfeuerhemmenden Wandaufbau. Auf dieser Grundlage entwickelten die Projektpartner neuartige Sperrhölzer, die vom Fraunhofer WKI umfassend hinsichtlich thermischer Stabilität, Emissionen (einschließlich VOC), Geruch und mechanischer Eigenschaften charakterisiert wurden.

Da die DIN EN 13501-1 nach inhomogenen und homogenen Baustoffen unterscheidet und das Sperrholz als inhomogen angesehen wird, müssen alle Bestandteile (Furniere und Klebstoff) einzeln geprüft werden. Aus diesem Grund konnte die europäische Baustoffklasse A2 nach DIN EN 13501-1 nicht erreicht werden und die brandschutztechnische Einstufung erfolgte nach der in Deutschland gültigen DIN 4102-1. Anschließend wurde ein hochfeuerhemmender Trockenbauwandaufbau vom Kleinformat (50 × 50 cm2) erfolgreich auf die Großnormgröße (3 × 3 m3) übertragen und geprüft.

Die neu entwickelte, nicht brennbare Sperrholzplatte und ihr Einsatz in einer hochfeuerhemmenden Holz-Trockenbauwand erweitern die Einsatz- und Gestaltungsmöglichkeiten von Holz im Innenausbau und in der Innenausstattung, ohne dass dabei hohe Brandschutzanforderungen vernachlässigt werden. Zu den potenziellen Anwendern zählen insbesondere Unternehmen der Holz- und Holzwerkstoffindustrie inklusive forstwirtschaftlicher Zulieferer, die Trockenbauindustrie, Bauträger und (Innen-)Architekturbüros, das Tischlerhandwerk sowie die Möbelindustrie.

 

Fraunhofer-Institut für Holzforschung
Wilhelm-Klauditz-Institut WKI
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