Porträtfoto eines Mannes in dunkelblauem Anzug und gestreifter Krawatte in modernem Büro mit Schreibtischen und Bildern an der Wand
Dr. Tim Schröder
  • 25.09.2026

Interview mit Dr. Tim Schroeder zum 65-jährigen Jubiläum des BVS und den Entwicklungen im Sachverständigenwesen

65 Jahre BVS – ein Grund zum Feiern!

Anlässlich des 65-jährigen Bestehens des Bundesverbandes öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS) haben wir mit Tim Schröder gesprochen – über die Geschichte des Verbandes, die Zukunft des Sachverständigenwesens und die großen Herausforderungen, die der Berufsstand heute meistern muss.

BauSV: Der BVS feiert in diesem Jahr sein 65-jähriges Bestehen. Wenn Sie auf diese über sechs Jahrzehnte zurückblicken: Wofür steht der Verband heute und welche Entwicklungen haben das Sachverständigenwesen und die Arbeit des BVS besonders geprägt?

Tim Schröder: 65 Jahre BVS sind weit mehr als ein Jubiläum. Sie stehen für 65 Jahre unabhängige fachliche Expertise, Qualitätssicherung und Verantwortung im Sachverständigenwesen. Der BVS hat sich in dieser Zeit als starke Interessenvertretung der öffentlich bestellten und vereidigten sowie qualifizierten Sachverständigen etabliert und ist heute eine anerkannte Stimme, wenn es um technische, wirtschaftliche und rechtliche Fragen der Begutachtung geht.

Wenn wir auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblicken, wird deutlich, wie stark sich das Umfeld für Sachverständige verändert hat. Während in den frühen Jahren vor allem klassische Bauschäden, Wertermittlungen und technische Fragestellungen im Mittelpunkt standen, sind die Anforderungen heute deutlich vielfältiger und komplexer. Neue Bauweisen, innovative Materialien, energetische Anforderungen, Nachhaltigkeitsaspekte, Digitalisierung sowie ein immer dichteres Regelwerk haben das Tätigkeitsfeld erheblich erweitert. Gleichzeitig sind die Erwartungen an die Nachvollziehbarkeit und Qualität von Gutachten kontinuierlich gestiegen.

Der BVS hat diese Entwicklungen aktiv begleitet. Eine unserer zentralen Aufgaben war und ist es, die fachliche Qualifikation unserer Mitglieder durch Weiterbildung, Erfahrungsaustausch und interdisziplinäre Vernetzung zu fördern. Denn die Glaubwürdigkeit eines Sachverständigen basiert nicht nur auf seiner Fachkompetenz, sondern auch auf seiner Unabhängigkeit, Integrität und der Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich und nachvollziehbar darzustellen.

Besonders prägend für die Arbeit des BVS war in den vergangenen Jahren die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Bauwesen. Themen wie Energieeffizienz, Bestandserhalt, Ressourcenschonung oder klimabedingte Schadensbilder gewinnen kontinuierlich an Bedeutung und stellen neue Anforderungen an die Begutachtung. Hinzu kommt die Digitalisierung, die sowohl die Arbeitsmethoden als auch die Dokumentation und Auswertung von Schäden grundlegend verändert hat.

Trotz aller Veränderungen ist der Kern unseres Handelns unverändert geblieben: Der BVS steht für unabhängige, kompetente und verantwortungsbewusste Sachverständigentätigkeit. Gerade in einer Zeit, in der Informationen jederzeit verfügbar erscheinen und die Komplexität technischer Fragestellungen zunimmt, wächst die Bedeutung hoch qualifizierter Sachverständiger als objektive und vertrauenswürdige Experten.

 

BauSV: Öffentlich bestellte und vereidigte sowie qualifizierte Sachverständige stehen für besondere fachliche Kompetenz, Unabhängigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Welche Bedeutung haben diese Grundsätze heute – gerade angesichts eines sich wandelnden Bauwesens und neuer technischer und rechtlicher Anforderungen?

Tim Schröder: Die Grundsätze fachliche Kompetenz, Unabhängigkeit und Vertrauenswürdigkeit sind heute wichtiger denn je. Gerade weil das Bauwesen zunehmend komplexer wird, steigt der Bedarf an Sachverständigen, deren Beurteilungen objektiv, nachvollziehbar und frei von Interessen Dritter sind. Bauherren, Unternehmen, Gerichte, Versicherungen und öffentliche Auftraggeber müssen sich darauf verlassen können, dass fachliche Bewertungen ausschließlich auf sachlichen und wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen beruhen.

Die öffentliche Bestellung und Vereidigung sowie andere anerkannte Qualifikationsnachweise stehen dabei für ein hohes Maß an Fachwissen, Erfahrung und persönlicher Integrität. Sie schaffen Orientierung in einem Markt, in dem die Anforderungen an Sachverständige kontinuierlich wachsen. Wer heute Gutachten erstellt, muss nicht nur sein Fachgebiet beherrschen, sondern auch aktuelle Normen, technische Regelwerke, neue Baustoffe, digitale Planungsmethoden sowie komplexe rechtliche Rahmenbedingungen sicher einordnen können.

Hinzu kommt, dass sich die Fragestellungen im Bauwesen zunehmend interdisziplinär entwickeln. Themen wie Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, Klimaanpassung oder der Umgang mit bestehenden Gebäuden erfordern häufig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen. Sachverständige nehmen dabei eine wichtige Rolle als neutrale Experten ein, die komplexe Zusammenhänge bewerten und verständlich vermitteln können.

Gerade in Zeiten einer immer schnelleren Informationsverfügbarkeit gewinnt die unabhängige und höchstpersönliche Expertise zusätzlich an Bedeutung. Informationen allein schaffen noch keine belastbaren Entscheidungen. Erst die fachkundige Einordnung, Bewertung und Gewichtung von Fakten macht den Unterschied. Deshalb genießen öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige nach wie vor ein hohes Vertrauen.

Für den BVS sind diese Grundsätze das Fundament des Sachverständigenwesens. Unser Ziel ist es, dieses Vertrauen zu erhalten und weiter zu stärken. Dazu gehören eine kontinuierliche Fortbildung, die Förderung hoher Qualitätsstandards und die Verpflichtung zu einer unabhängigen und verantwortungsvollen Berufsausübung. Denn nur so können Sachverständige auch künftig ihrer wichtigen Rolle als verlässliche und objektive Instanz im Bau- und Immobilienbereich gerecht werden.

 

BauSV: Digitalisierung, künstliche Intelligenz, neue Bauweisen und steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz verändern auch die Tätigkeit von Sachverständigen. Wo sehen Sie derzeit die größten Veränderungen und Herausforderungen für den Berufsstand?

Tim Schröder: Die Veränderungen sind derzeit tiefgreifend und betreffen nahezu alle Bereiche der Sachverständigentätigkeit. An erster Stelle steht sicher die zunehmende Komplexität des Bauwesens. Neue Baustoffe, innovative Konstruktionen, serielle und modulare Bauweisen sowie digitale Planungs- und Ausführungsprozesse eröffnen viele Chancen, bringen aber auch neue Fragestellungen und potenzielle Schadensrisiken mit sich. Sachverständige müssen deshalb ihre Fachkenntnisse kontinuierlich erweitern und sich mit Entwicklungen vertraut machen, die vor wenigen Jahren noch kaum eine Rolle gespielt haben.

Ein besonders prägendes Thema ist die Digitalisierung. Digitale Gebäudemodelle, Building Information Modeling (BIM), Drohnentechnik, 3D-Erfassung oder datenbasierte Monitoringsysteme verändern sowohl die Bauprozesse als auch die Möglichkeiten der Begutachtung. Für Sachverständige ergeben sich dadurch neue Werkzeuge und effizientere Arbeitsmethoden. Gleichzeitig wächst die Herausforderung, große Datenmengen fachlich richtig zu interpretieren und ihre Aussagekraft kritisch zu bewerten.

Auch die künstliche Intelligenz wird die Branche nachhaltig beeinflussen. KI kann künftig beispielsweise bei der Auswertung von Dokumentationen, bei der Analyse von Schadensbildern oder bei Recherchen unterstützen. Sie kann Prozesse beschleunigen und wertvolle Hilfestellungen liefern. Die Verantwortung für die Bewertung, Plausibilisierung und Schlussfolgerung bleibt jedoch beim Sachverständigen. Gerade deshalb werden Fachkompetenz, Erfahrung und Urteilsvermögen noch wichtiger. Die unabhängige sachverständige Einschätzung lässt sich weder automatisieren noch in Gänze digitalisieren!

Eine weitere Herausforderung ist der gesellschaftlich und politisch gewollte Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. Fragen zur Lebensdauer von Bauwerken, zur Weiternutzung von Bestandsgebäuden (Stichwort graue Energie), zur Kreislaufwirtschaft, zu CO2-Bilanzen oder zu klimabedingten Schadensrisiken gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sachverständige werden künftig noch stärker gefordert sein, technische, wirtschaftliche und ökologische Aspekte ganzheitlich zu betrachten und zu bewerten.

Hinzu kommen die sich ständig weiterentwickelnden rechtlichen und normativen Rahmenbedingungen. Die Vielzahl an Vorschriften, technischen Regeln und Dokumentationspflichten nimmt kontinuierlich zu.

Insgesamt sehe ich den Berufsstand daher vor einer anspruchsvollen, aber auch sehr spannenden Zukunft. Die Anforderungen steigen, gleichzeitig wächst die Bedeutung unabhängiger fachlicher Expertise. Wer bereit ist, sich kontinuierlich weiterzubilden und neue Technologien verantwortungsvoll zu nutzen, wird auch künftig eine unverzichtbare Rolle im Bauwesen einnehmen. Genau dabei unterstützt der BVS seine Mitglieder: durch Qualifizierung, fachlichen Austausch und die konsequente Förderung einheitlicher Qualitätsstandards im Sachverständigenwesen.

 

BauSV: Der fachliche Austausch zwischen Sachverständigen, Wissenschaft, Recht und Praxis ist seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil der Verbandsarbeit. Welche Bedeutung hat dabei die Zusammenarbeit des BVS mit Institutionen und Fachmedien wie dem Fraunhofer IRB, Reguvis Fachmedien und der Fachzeitschrift »Bausachverständige«?

Tim Schröder: Der fachliche Austausch zwischen Sachverständigen, Wissenschaft, Recht, Verwaltung und Praxis ist seit jeher eine der tragenden Säulen der Arbeit des BVS. Denn die Herausforderungen im Bau- und Sachverständigenwesen werden immer komplexer und lassen sich nur im interdisziplinären Dialog erfolgreich bewältigen. Gerade an den Schnittstellen zwischen technischer Bewertung, wissenschaftlicher Forschung und rechtlicher Einordnung entsteht das Wissen, das für fundierte und zukunftsfähige Gutachten erforderlich ist. Vor diesem Hintergrund kommt der Zusammenarbeit mit Institutionen und Fachmedien eine besondere Bedeutung zu. Partner wie das Fraunhofer IRB sind eine wichtige Schnittstelle zur Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und aktueller Forschungsergebnisse in die Praxis. Für Sachverständige ist es von entscheidender Bedeutung, frühzeitig Zugang zu neuen Entwicklungen, Untersuchungsmethoden und wissenschaftlich fundierten Lösungsansätzen zu erhalten, um ihre Bewertungen auf dem aktuellen Stand von Technik und Forschung aufzubauen.

Ebenso bedeutsam ist die Zusammenarbeit mit Reguvis Fachmedien und der Fachzeitschrift »Bausachverständige«. Fachmedien übernehmen eine zentrale Funktion beim Wissenstransfer innerhalb der Branche. Sie schaffen eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen, die Diskussion aktueller Fachthemen und die Vermittlung neuer rechtlicher sowie technischer Entwicklungen. Dabei geht es nicht nur um die Weitergabe von Informationen, sondern auch um die Förderung des fachlichen Dialogs und der Meinungsbildung innerhalb des Sachverständigenwesens. Gerade die Fachzeitschrift »Bausachverständige« hat sich über viele Jahre hinweg als anerkanntes Forum für qualifizierte Fachbeiträge etabliert. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen und greift Themen auf, die die tägliche Arbeit von Sachverständigen unmittelbar betreffen. Damit leistet auch sie einen wichtigen Beitrag zur fachlichen Weiterbildung und zur Sicherung hoher Qualitätsstandards.

Für den BVS sind solche Kooperationen weit mehr als klassische Partnerschaften. Sie schaffen die Grundlage dafür, aktuelles Wissen verfügbar zu machen, fachübergreifende Diskussionen anzustoßen und die Weiterentwicklung des Sachverständigenwesens aktiv zu begleiten. In einer Zeit rasanter technischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Veränderungen ist dieser kontinuierliche Austausch wichtiger denn je.

Letztlich verfolgen wir alle das gleiche Ziel: die Qualität, Objektivität und Zukunftsfähigkeit der Sachverständigentätigkeit zu stärken. Wissenschaft, Fachmedien und Berufsverbände erfüllen dabei unterschiedliche, aber sich ideal ergänzende Aufgaben. Gemeinsam tragen wir dazu bei, dass Sachverständige auch künftig auf höchstem fachlichen Niveau arbeiten und ihrer wichtigen Rolle als unabhängige Experten gerecht werden können.

 

BauSV: Eine Fachzeitschrift wie »Bausachverständige« richtet sich an ein Publikum, das technische, rechtliche und praktische Fragestellungen zusammenführen muss. Welche Themen sollten aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren im fachlichen Diskurs über das Sachverständigenwesen stärker in den Mittelpunkt rücken?

Tim Schröder: Die Fachzeitschrift »Bausachverständige« hat seit vielen Jahren die wichtige Aufgabe, technische, rechtliche und praktische Fragestellungen zusammenzuführen. Genau diese interdisziplinäre Betrachtung wird aus meiner Sicht künftig noch stärker an Bedeutung gewinnen. Die großen Herausforderungen im Bauwesen lassen sich nicht mehr isoliert aus einer einzelnen Perspektive betrachten, sondern erfordern ein umfassendes Verständnis der technischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge.

Ein zentrales Zukunftsthema ist sicherlich der Umgang mit dem Gebäudebestand. Angesichts von Klimaschutzzielen, Ressourcenknappheit und steigenden Baukosten wird die Erhaltung, Sanierung und Weiterentwicklung bestehender Gebäude gegenüber dem Neubau weiter an Bedeutung gewinnen.

Damit verbunden sind Fragen der technischen Lebensdauer, der Instandsetzung, der Nachnutzung sowie der Bewertung von Bestandsbauwerken. Hier werden Sachverständige eine Schlüsselrolle einnehmen.

Genauso bedeutsam sind, wie bereits erwähnt, die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Künftig wird es nicht mehr ausschließlich darum gehen, ob ein Bauwerk technisch funktionstüchtig ist, sondern zunehmend auch um dessen ökologische Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg im Sinne einer »Cradle-to-Cradle-Betrachtung«. Fragen zur Wiederverwendung von Baustoffen, zur Dauerhaftigkeit von Konstruktionen, zu grauer Energie oder zu CO2-relevanten Entscheidungen werden verstärkt in die sachverständige Bewertung einfließen. Neue Bestellungsgebiete können und werden sich daraus entwickeln müssen.

Ein weiterer Schwerpunkt wird die Digitalisierung des Bauwesens sein. Digitale Zwillinge, BIM-Modelle, sensorbasierte Zustandsüberwachung sowie KI-gestützte Analyseverfahren werden die Arbeitsgrundlagen vieler Sachverständiger verändern. Daraus ergeben sich nicht nur technische Fragestellungen, sondern auch neue Anforderungen an Dokumentation, Datenqualität, Haftung und Nachvollziehbarkeit. Die Fachwelt wird sich intensiv damit auseinandersetzen müssen, wie digitale Werkzeuge sinnvoll genutzt werden können, ohne die Grundsätze unabhängiger und nachvollziehbarer Begutachtung aus den Augen zu verlieren oder auch nur zu verletzen.

Nicht zuletzt sollten wir uns intensiver mit der Zukunft des Berufsstandes selbst beschäftigen. Dazu gehören Fragen der Nachwuchsgewinnung, der Qualifizierung, der kontinuierlichen Fortbildung und der Sicherung hoher Qualitätsstandards. Die Gesellschaft wird auch künftig unabhängige Experten benötigen, die komplexe Sachverhalte objektiv bewerten und nachvollziehbar vermitteln können. Dieses Vertrauen zu erhalten und weiterzuentwickeln, ist eine zentrale Aufgabe des gesamten Sachverständigenwesens.

Gerade Fachzeitschriften wie »Bausachverständige« oder «DIE Sachverständigen« können hierbei eine wichtige Rolle übernehmen. Sie bieten den Raum, wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und rechtliche Entwicklungen zusammenzuführen und den fachlichen Diskurs aktiv zu gestalten. Denn die Zukunft des Sachverständigenwesens wird maßgeblich davon abhängen, wie gut es gelingt, Wissen zu vernetzen, neue Entwicklungen kritisch zu begleiten und gleichzeitig die bewährten Grundsätze von Unabhängigkeit, Kompetenz und Objektivität zu bewahren.

 

BauSV: Zum Abschluss ein Blick nach vorn: Wenn der BVS in 5 Jahren sein 70-jähriges Jubiläum begeht – was wünschen Sie sich, dass bis dahin für den Verband und für das Sachverständigenwesen erreicht worden ist?

Tim Schröder: Wenn wir in fünf Jahren das 70-jährige Bestehen des BVS feiern, wünsche ich mir vor allem, dass der Verband und das Sachverständigenwesen insgesamt ihre zentrale Rolle als Garanten für unabhängige, qualifizierte und vertrauenswürdige Expertise weiter gestärkt haben.

Für den BVS bedeutet das, auch künftig ein starkes fachliches Netzwerk zu sein, das den Austausch zwischen Sachverständigen, Wissenschaft, Wirtschaft, Rechtsprechung und Politik fördert. Ich wünsche mir, dass wir unsere Mitglieder weiterhin erfolgreich dabei unterstützen können, den vielfältigen Herausforderungen des technologischen und gesellschaftlichen Wandels zu begegnen und dass der BVS als verlässlicher Ansprechpartner für alle Fragen des Sachverständigenwesens wahrgenommen wird.

Für den Berufsstand insgesamt wäre es ein großer Erfolg, wenn die Bedeutung qualifizierter Sachverständiger in der Öffentlichkeit, bei Auftraggebern und in der Politik noch stärker anerkannt wird. In einer zunehmend komplexen Welt wächst der Bedarf an objektiven und fachlich fundierten Bewertungen. Dieses Vertrauen in unabhängige Expertise sollten wir weiter festigen und ausbauen.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass es gelingt, die Chancen der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz verantwortungsvoll zu nutzen. Neue Technologien sollten Sachverständige unterstützen, sie dürfen sie nicht ersetzen. Ihr Einsatz muss dazu beitragen, Prozesse effizienter und transparenter zu gestalten, ohne die Grundprinzipien persönlicher Verantwortung, Nachvollziehbarkeit und Unabhängigkeit infrage zu stellen. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Gewinnung und Förderung des Nachwuchses. Das Sachverständigenwesen braucht auch in Zukunft engagierte Fachleute mit hoher fachlicher Kompetenz, praktischer Erfahrung und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Wenn es uns gelingt, junge Expertinnen und Experten für diesen anspruchsvollen und gesellschaftlich wichtigen Berufsstand zu begeistern, haben wir eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unseres Berufsstandes geschaffen.

Nicht zuletzt wünsche ich mir, dass Sachverständige einen sichtbaren Beitrag zu den großen Zukunftsaufgaben im Bauwesen leisten: zum nachhaltigen Umgang mit dem Gebäudebestand, zur Ressourcenschonung, zur Klimaanpassung und zur Qualitätssicherung beim Planen, Bauen und Betreiben von Bauwerken. Gerade hier kann unabhängige Expertise helfen, langfristig tragfähige und wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Wenn wir im Jahr des 70-jährigen Jubiläums sagen können, dass der BVS seine Rolle als starke fachliche Gemeinschaft weiter ausgebaut hat, dass das Vertrauen in qualifizierte Sachverständige gewachsen ist und dass wir die Zukunft des Bauwesens aktiv mitgestalten konnten, dann wäre das ein sehr gutes Ergebnis. Denn unabhängig von allen Veränderungen bleibt unser Auftrag derselbe: Kompetenz, Objektivität und Qualität im Sachverständigenwesen zu fördern und damit einen wichtigen Beitrag für Wirtschaft, Gesellschaft und Rechtsstaat zu leisten.

 


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