Acht Personen stehen vor einem alten Holzgebäude, vor dem im Rahmen einer Eröffnungsfeier ein rotes Band gespannt ist. Vier der Personen halten eine Schere in der Hand, bereit, das Band durchzuschneiden.
Feierliche Eröffnung vor historischer Kulisse: Toni Ortlieb, Prof. Holger Hanselka, Dr. Markus Söder und Pater Heinz Menz durchschneiden das Band zur offiziellen Einweihung der Glashütte Benediktbeuern (© Fraunhofer / Marc Conzelmann)
  • 21.09.2026

Joseph von Fraunhofers historische Glashütte wiedereröffnet

Sein Innovationsgeist ist bis heute Vorbild

Deutschland steht vor großen Herausforderungen: In der Forschung zählt das Land zur Weltspitze, doch viele Innovationen erreichen den Markt noch zu langsam. Joseph von Fraunhofer zeigte schon vor mehr als 200 Jahren, wie sich der Forschungstransfer beschleunigen lässt: Als Handwerker, Forscher und Unternehmer verband er wissenschaftliche Erkenntnis mit praktischer Anwendung. Ihrem Namensgeber zu Ehren eröffnete die Fraunhofer-Gesellschaft dessen historische Glashütte in Benediktbeuern am 18.09.2026 mit hochrangigen Gästen aus Politik, Forschung und Gesellschaft wieder.


Prof. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, begrüßte die Ehrengäste, darunter Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder sowie der Generaldirektor des Deutschen Museums, Prof. Michael Decker, in der historischen Kulisse des Klosters Benediktbeuern. Im Alter von 24 Jahren übernahm Joseph von Fraunhofer hier die Gesamtleitung der Glashütte. Der gebürtige Straubinger entwickelte sich vom Glasschleifer zu einem Wissenschaftler von Weltrang und erfolgreichen Unternehmer.


Angewandte Forschung bringt Wissen zur Wirkung

In seiner Laudatio würdigte Hanselka ihn als Visionär, dessen Methode bis heute prägend für die Forschungsorganisation sei: »Joseph von Fraunhofer war Forscher, Handwerker und Unternehmer zugleich. Er ist uns bis heute ein Vorbild, weil er wissenschaftliche Exzellenz, handwerkliche Präzision und unternehmerische Umsetzung untrennbar verbunden hat. Genau diese Haltung ist bis heute der Kern unseres Handelns bei der Fraunhofer-Gesellschaft: Wir überführen wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam mit Unternehmen in marktfähige Lösungen und machen so aus Wissen Wertschöpfung.«

In diesem Zusammenhang verwies Hanselka auf die besondere Rolle der Fraunhofer-Gesellschaft im deutschen Innovationssystem. Ihre angewandte Forschung verbinde wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Anforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft – im engen Austausch mit Unternehmen und öffentlichen Partnern. »Die Fraunhofer-Gesellschaft bringt Wissen zur Wirkung. Unsere angewandte Forschung übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Technologien, Verfahren und Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Gerade in einer Zeit tiefgreifender technologischer und wirtschaftlicher Veränderungen ist diese Aufgabe unverzichtbar. Innovation muss schneller bei den Menschen und in den Märkten ankommen«, sagte Hanselka.

Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder erklärte: »Bayern verbindet Innovation und Identität. Das schwere Hagelunwetter in Benediktbeuern aus dem Jahr 2023 war ein schwerer Verlust für das kulturelle Gedächtnis Bayerns – mit der Glashütte ist davon nun ein weiterer Teil repariert. Der Freistaat hat das mit zwei Millionen Euro unterstützt. Unser wichtigster Rohstoff ist der Geist: Forschung und Wissenschaft sind unsere Stärke im internationalen Wettbewerb. Die Fraunhofer-Gesellschaft steht dabei für weltweit herausragende angewandte Forschung, von der insbesondere Mittelstand und Familienbetriebe profitieren. Sie sind die Herzkammer unserer Wirtschaft. Bayern ist enger Partner der Wissenschaft: Mit der Hightech Agenda und sechs Milliarden Euro Investitionen bauen wir die Forschungsaktivitäten immer weiter aus – von Bio-Life-Sciences über KI und Defense Tech bis zu Luft- und Raumfahrt. Nur so werden wir im weltweiten Wettbewerb auf Dauer Wohlstand und Arbeitsplätze erhalten. Technologie bedeutet Zukunft und macht das Leben besser.«

Prof. Michael Decker, Generaldirektor des Deutsches Museum, sagte: »Mit dem Prismen-Spektralapparat, dem Gitterspektrometer oder dem Refraktor besitzt das Deutsche Museum einige kostbare Objekte aus der Werkstatt von Joseph von Fraunhofer. Mit diesen bahnbrechenden Innovationen aus der Vergangenheit können wir den Menschen auch heute noch anschaulich vermitteln, wie wichtig die Forschung für unser aller Zukunft ist. Wir tun das aber nicht nur durch das Bewahren und Erklären von wertvollem Kulturgut. Mit Formaten wie unserem jährlichen Zukunftsfestival, bei dem auch regelmäßig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fraunhofer-Instituten ihre Projekte präsentieren, bauen wir eine Brücke von der Forschung in die Gesellschaft. Eine solche direkte Verbindung kann auch die Glashütte, die wir heute feierlich wiedereröffnen, künftig wieder sein.«


Auszeichnung »EPS Historic Site« und Wiedereröffnung der Glashütte

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO präsentierte den neuen Fraunhofer-Avatar, der als Teil eines innovativen Ausstellungskonzepts die Geschichte des Namensgebers auf moderne, digitale Weise erlebbar macht. Das neuartige Ausstellungskonzept wurde vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Unternehmenskommunikation und weiteren Beteiligten entwickelt und umgesetzt.

Anschließend verlieh Prof. José María De Teresa, Präsident der European Physical Society (EPS), die Auszeichnung »EPS Historic Site«. Damit würdigt die EPS Orte in Europa, die für die Entwicklung und die Geschichte der Physik bedeutsam sind. Das Bühnenprogramm endete mit dem feierlichen Übergang zur historischen Glashütte, wo die Ehrengäste die Wiedereröffnung vollzogen und die Gedenktafel enthüllten. Für die Gäste schloss sich ein Rundgang durch die wiedereröffnete Glashütte an, die 2023 durch ein schweres Unwetter erheblich beschädigt worden war.


Das Erbe Joseph von Fraunhofers als Auftrag für die Gegenwart

Eingebettet in ein musikalisches Rahmenprogramm mit Werken, die zeitlich wie inhaltlich auf Joseph von Fraunhofer und seine Epoche Bezug nahmen, machte die Festveranstaltung deutlich: Das Erbe Joseph von Fraunhofers ist weit mehr als eine historische Errungenschaft – es ist ein lebendiger Auftrag für die Gegenwart. Seine Methode, Erkenntnisse konsequent in marktfähige Anwendungen zu übersetzen, bleibt ein zentraler Baustein für Deutschlands Innovationskraft.

Prof. Hanselka fasste diese Botschaft so zusammen: »Joseph von Fraunhofer ist vor zweihundert Jahren gestorben. Sein Prinzip der angewandten Forschung aber ist so lebendig wie am ersten Tag. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam weitergehen, im Geiste des Mannes, den wir heute hier in Benediktbeuern würdigen.«

Die Veranstaltung wurde vom Bayerischen Rundfunk begleitet.


Weitere Informationen

 

Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung
der angewandten Forschung e.V.
Hansastraße 27 c
80686 München
Telefon: 089 1205-0
Telefax: 089 1205-7531
E-Mail: info(at)zv.fraunhofer.de
Internet: www.fraunhofer.de


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