BauSV 3/2026


Bauschäden

Abb. 1: Übersicht des untersuchten Garagenanbaus mit beheizten Nebenräumen und Flachdachkonstruktion [© Benedikt Plotzki]

Benedikt Plotzki


Feuchteschäden an unbelüfteten Flachdachkonstruktionen mit Zwischensparrendämmung über beheizten Räumen

Bauphysikalische Bewertung einer Sonderkonstruktion aus gutachterlicher Sicht


Unbelüftete Flachdachkonstruktionen mit Zwischensparrendämmung über beheizten Räumen stellen bauphysikalisch eine besonders sensible Sonderkonstruktion dar. Trotz langjähriger bauphysikalischer Erkenntnisse zur eingeschränkten Fehlertoleranz werden entsprechende Konstruktionen in der Praxis weiterhin ausgeführt. Der Beitrag beschreibt den zugrunde liegenden Schadensmechanismus, erläutert typische Planungs- und Ausführungsfehler, stellt die Anforderungen an Planung und Nachweisführung dar und bewertet die langfristige Funktionssicherheit unter Berücksichtigung veränderlicher Randbedingungen aus gutachterlicher Sicht.


1 Anlass und Problemstellung

Im Rahmen einer gutachterlichen Untersuchung eines Garagenanbaus mit zwei dahinter liegenden, beheizten Nebenräumen wurde eine Flachdachkonstruktion mit Zwischensparrendämmung vorgefunden, bei der bereits nach vergleichsweise kurzer Nutzungsdauer Feuchteschäden innerhalb der Konstruktion festgestellt wurden (Abb. 1).

Der vorliegende Beitrag basiert auf einem realen Schadensfall aus der gutachterlichen Praxis. Derartige Schadensbilder treten in der Praxis weiterhin regelmäßig auf, obwohl es sich bei dieser Bauweise bauphysikalisch nicht um eine Regelkonstruktion, sondern um eine besonders sensible Sonderlösung handelt. Insbesondere bei kleineren Anbauten und Nebenräumen wird diese Konstruktion häufig ausgeführt, ohne dass die bauphysikalischen Randbedingungen ausreichend berücksichtigt oder entsprechende Nachweise geführt werden.


2 Konstruktiver Aufbau und bauphysikalische Einordnung

Bei Flachdachkonstruktionen über beheizten Räumen handelt es sich grundsätzlich um bauphysikalisch hoch beanspruchte Bauteile. Während bei klassischen Warmdachkonstruktionen die Dämmebene oberhalb der Tragkonstruktion angeordnet wird, findet sich in der Praxis wiederholt eine Ausführung mit Zwischensparrendämmung innerhalb einer Holzkonstruktion (Abb. 2).

Die Dachabdichtung erfolgt i.d.R. oberseitig durch polymerbituminöse Abdichtungsbahnen oder Kunststoffabdichtungen. Diese wirken bauphysikalisch weitgehend diffusionsdicht, sodass oberhalb der Dämmebene praktisch keine Austrocknungsmöglichkeit besteht. Unterhalb der Dämmung befindet sich üblicherweise eine Dampfbremse beziehungsweise Luftdichtheitsschicht.

Gemäß DIN 4108-31 sind Bauteile so zu planen und auszuführen, dass schädliche Tauwasserbildung vermieden wird oder eine ausreichende Austrocknungsreserve vorhanden ist. In Verbindung mit diffusionsdichten Abdichtungen ist diese Anforderung bei der vorliegenden Konstruktion jedoch nur eingeschränkt erfüllbar.


3 Schadensmechanismus

Der Schadensmechanismus beruht erfahrungsgemäß im Wesentlichen auf dem Eintrag feuchter Innenraumluft in die Dachkonstruktion. Bereits geringe Undichtigkeiten in der Luftdichtheitsebene können dazu führen, dass warme und feuchte Raumluft infolge von Druckunterschieden in die Konstruktion gelangt. Innerhalb der Dämmschicht kühlt die Luft ab, unterschreitet den Taupunkt und führt zur Bildung von Tauwasser.

Da die Dachabdichtung oberseitig diffusionshemmend wirkt, kann die eingetragene Feuchtigkeit nur eingeschränkt wieder austrocknen. In der Folge kommt es zur Durchfeuchtung der Dämmstoffe sowie der Holzwerkstoffplatten. Typische Schadensbilder sind in den Abb. 3 und 4 dargestellt. Eine weiter fortgeschrittene Durchfeuchtung der Konstruktion ist in Abb. 5 erkennbar.


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