BauSV 4/2026


Bauschäden

Abb. 3: Lösen einer (bituminösen) Schwarzabdichtung nach einer Überschwemmung mit Heizölaustritt

Christian Caspari, Erik Thees


Wenn das Heizöl mit dem Hochwasser kommt

Zur Bewertung und Sanierung von Ölschäden


In dem Beitrag wird die Vorgehensweise für eine zielführende und fachgerechte Sanierung von Heizölschäden aufgezeigt. Hierzu wird auf das Heizöl sowie dessen sanierungsrelevante Bestandteile eingegangen. Darüber hinaus werden die Beprobung und die Analytik der Bausubstanz beschrieben. Diese Vorgehensweise wird anhand von zwei Überschwemmungsschäden aus der Überschwemmungskatastrophe 2024 gezeigt. Diese Beispiele zeigen, dass auch tiefgehende Kontaminationen technisch fachgerecht und zugleich wirtschaftlich sinnvoll saniert werden können.


1 Einleitung

In Zeiten des Klimawandels nehmen Naturkatastrophen wie Überschwemmungsereignisse zu. Diese Ereignisse führen bei einer besonders starken Ausprägung oftmals zu einer vollständigen Überschwemmung von Kellergeschossen und darüber hinaus. In Deutschland werden noch rund 19% aller Wohnungen mit Heizöl beheizt [1], entsprechend finden sich in Deutschland mehrere Millionen Ölheizungen im Wohnungsbestand.

Insbesondere in älteren Ein- und Zweifamilienhäusern sind Heizkessel und Öltanks häufig im Kellergeschoss installiert. Bei einer Flutung der Kellergeschosse werden die Heizöltanks oftmals beschädigt, wodurch Heizöl unkontrolliert austritt (Abb. 1).

Neben den üblichen Beschädigungen einer Überschwemmung entstehen oftmals substanzielle Kontaminationen tragender Bauteile. Dies führt zumeist dazu, dass Gebäude bereits bei der Erstbesichtigung als wirtschaftlicher Totalschaden bewertet werden, obwohl eine belastbare Bewertung zu diesem Zeitpunkt meist noch nicht möglich ist (Abb. 2).

Hingegen besteht auch bei stark kontaminierten Anwesen häufig die Möglichkeit einer fachgerechten und wirtschaftlichen Teilsanierung. Entscheidend hierfür ist das schnellstmögliche Einleiten der Erstmaßnahmen sowie eine Analytik der schützenswerten Bausubstanz. Hierfür ist das enge Zusammenwirken erfahrener Bausachverständiger und chemischer Sachverständiger von wesentlicher Bedeutung.

Neben Kenntnissen der Analytik von Kohlenwasserstoffverbindungen und des Tragwerks sind für eine zielführende Probennahmestrategie insbesondere Kenntnisse über die Transportmechanismen flüssiger Schadstoffe in porösen Baustoffen erforderlich.


2 Heizöl – Einwirkung auf die Bausubstanz

Heizöl ist als gesundheitsschädlich einzustufen [3]. Insbesondere bei dermaler Einwirkung sowie bei einer hohen Konzentration in der Atemluft bestehen relevante Risiken. Mineralölbasierte Kohlenwasserstoffgemische gelten bei längerem Hautkontakt als potenziell Krebs erzeugend. Auch bei Inhalation können gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten.

Bei Expositionskonzentrationen in der Atemluft von unter 100 mg/m3 ist toxikologisch auch bei längerer Exposition von keiner Gefährdung für den Menschen auszugehen [4]. Die Geruchsschwelle für Mineralöle liegt jedoch bei etwa 0,5 mg/m3, sodass die unangenehme, geruchliche Beeinträchtigung wesentlich unter der gesundheitlich schädlichen Konzentration liegt. Damit wird Heizöl olfaktorisch bereits in Konzentrationen wahrgenommen, die deutlich unterhalb gesundheitsrelevanter Grenzwerte liegen.

Bei einer geruchlichen Wahrnehmung sollten immer Sanierungsmaßnahmen erfolgen, da die vorhandene oder auch noch später auftretende Belastung das Wohlbefinden der Bewohner anhaltend beeinträchtigen kann. Aus diesem Grund ist das maßgebliche Sanierungsziel der geruchsfreie Zustand des Anwesens. Ein fehlender Geruch geht i.d.R. mit sehr niedrigen Raumluftkonzentrationen einher, sodass sowohl eine gesundheitliche Gefährdung als auch eine Nutzungsbeeinträchtigung ausgeschlossen werden können.


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